Nordirland nimmt geografisch das nordöstliche Viertel der Irischen Insel ein und gehört politisch (im Gegensatz zum Rest der Insel!) zum Vereinigten Königreich. Daran muss man immer wieder erinnern. Somit gehört auch Nordirland nun seit Anfang 2021 in keinster Weise mehr der EU und der EASA an.
Es ist kulturell, landschaftlich und eben auch politisch eine Mischung aus England und Irland. In der Landessprache heißt Nordirland „Ulster“. Die Geschichte des Nordirlandkonflikts ist lang; hier sei aber nur gesagt, dass dieser ja seit einigen Jahren – zumindest was kriegerische Auseinandersetzungen angeht – weitestgehend beigelegt ist und man sich ohne Bedenken in Nordirland aufhalten kann.
Und vorab noch was zum Fliegerischen: Wenn man Nordirland in Richtung Irland verlässt kann wiederum die Duty auf das in UK getankte Avgas „claimen“ (mehr dazu unter dem Abschnitt „Tanken“). Aber Vorsicht: bitte bedenken, dass für solche Flüge der nordirische, also britische Platz entweder „customs and excise designated“ sein muss, oder ein „Certificate of Agreement“ haben muss. Die mittleren und größeren Plätze haben das natürlich meist, aber die ganz kleinen zum Teil nicht. Hier sollte man sich vorher schlau machen. Siehe auch den Abschnitt „Zoll und Einreise“.
Belfast
Die Hauptstadt Nordirlands und hinter Dublin die zweitgrößte Stadt der irischen Insel. Die Industrie- und Hafenstadt war speziell zu früheren Zeiten sehr wohlhabend. Zum Beispiel des prachtvolle Rathaus der Stadt zeugt davon. Ein Highlight der Stadt das Titanic-Museum (die Titanic wurde hier gebaut). Wer die für Nordirland bekannten Hausmalereien sehen will, der muss in Belfast zur Shankill Road. Dazu hat Belfast einen schönen Botanischen Garten. Außerdem gibt es viele historische Pubs, z.B. die Crown Bar (Liquor Saloon), schräg gegenüber des Grand Opera Houses, wobei dort vor allem Touristen zu finden sind man eher mal tagsüber einkehrt. Viele Pubs für den Abend gibt es im Cathedral Quarter, z.B. das Duke of York. Live-Musik gibt es zum Beispiel im Dirty Onion. Hinweis: es gibt auch UBER im Raum Belfast.
Leider sind beide großen IFR-Flughäfen von Belfast recht teuer, also EGAA und EGAC (siehe weiter unten). Wie so oft liegt der größere Charme aber ohnehin in den kleineren Plätzen. Nun mögen IFR-Piloten sagen „ja, aber was ist, wenn das Wetter schlecht ist?“ Hier hängt es davon ab, wie schlecht es wirklich ist. Klar, wenn das Wetter nahe am ILS-Minimum ist, dann braucht man auch einen Platz mit ILS. So schlecht ist es aber (zumindest im Sommer) sehr selten; es ist in UK bei mäßigem IFR-Wetter völlig üblich, sich mit selbst zurechtgelegtem IFR-Anflug (völlig legal) anzunähern. Gerade bei Plätzen, die von Meer umgeben sind, kann man ja problemlos auf ca. 500 Fuß MSL runtergehen. EGAD (auch dazu gleich mehr) ist dort also eine gute Option, wenn man über den Stangford Lough anfliegt. Londonderry/Derry Airport (EGAE) ist bisher zum Glück immer noch günstig.
Hier nun alle Details zu den Flugplätze bzw. Flughäfen hat die Stadt:
Belfast-Aldergrove (EGAA) liegt ein paar Kilometer westlich der Stadt am See „Lough Neagh“ und hat hauptsächlich Linienverkehr. Relativ teuer (ca. 150-180 Pfund). Der Handling-Agent ist Jet Assist; eine wirklich günstigere Alternative gibt es wohl nicht. Das Avgas ist dort ebenfalls eher teuer. Jetfuel gibt es natürlich auch. Wenn man solches und einen IFR-Anflug unbedingt braucht, ist Aldergrove eine Option, zumal es auch gute Verbindungen in die City von Belfast gibt, sowie Mietwagen. Ein Taxi nach Belfast kostet aufgrund der relartiv großen Distnaz allerdings ca. 50 Pfund.
Belfast-City (EGAC) liegt wirklich nahezu mitten in der Stadt. Handling ist wie in Aldergrove „mandatory“. Die Gebühren wurden liegen naturgemäß im gehobenen Bereich; sind aber für die Lage noch halbwegs erträglich: ca. 180 Pfund muss man mit einem Overnight leider erwarten. Es gibt hier auch kein Avgas. Wer das nicht braucht, sollte es sich ggf. nicht nehmen lassen, hier einmal quasi „mitten in der Stadt“ zu landen. Ein Taxi ins Zentrum kostet nur ein paar Pfund. Handling-Agent ist „Jet Assist“.
Newtownards (EGAD) (ausgesprochen: „Nut’naards“) ist die Heimat des Ulster Flying Club und faktisch *der* GA-Flugplatz von Belfast. Leider ist er nur VFR anfliegbar, denn es gibt Richtung Westen eine recht interessante Hindernissituation (übrigens ist der dortige „Scrabo Tower“ recht berühmt und hübsch anzusehen aus der Luft). Aber Vorsicht: die CTR von Belfast City ist sehr nah und in 2000 Fuß MSL beginnt die dazugehörige CTA! Die Gebühren sind gering. Es gibt u.a. Avgas, Jetfuel, und auch etwas Mogas kann abgegeben werden. Zumindest das 100LL ist stets ziemlich teuer; das Tanken sollte man daher dort wenn möglich eher vermeiden. Die Leute vom Flying Club sind sehr freundlich und hilfsbereit. Auch Hangarplatz ist möglich. Die Fahrt nach Belfast mit dem Taxi dauert knapp 20 Minuten und kostet ca. 25 Pfund (UBER etwas weniger). Es gibt aber, für diejenigen, die Nordirland noch etwas mehr erkunden möchten, nur ca. 500 Meter von den Abstellflächen und dem Café („Cloud Nine“) entfernt auch eine Sixt-Mietwagenstation. Diese bringt das Auto auf Wunsch den Wagen auch direkt zum Platz. Noch ein Hinweis: dieser Platz fehlt bisher in de offiziellen Liste der Border Force für internationale Flüge zugelassenen Plätze; Nachfrage beim Club ergibt aber, dass der Platz sehr wohl zugelassen ist. Alles andere wäre, bei der Nähe zur Republik Irland, in der Tat auch merkwürdig.
Derry / Londonderry-Eglinton (EGAE)
Dies ist der Platz der zweitgrößten Stadt Nordirlands. Als solcher ist es ein recht großer Platz mit etwas Linienverkehr mit IFR-Verfahren. Es ist der mit Abstand günstigste der drei IFR-Plätze in Nordirland (ca. 50 Pfund mit einer Übernachtung). Er macht überhaupt keine Probleme. PPR braucht man natürlich. Der Anflug auf die Piste 23 ist sehr schön (dabei nicht versehentlich auf dem alten Platz Ballykelly landen). Kleine Besonderheit: weil der Platz so nah an der Republik Irland liegt, gibt es westlich des Platzes zu ihm gehörende kontrollierte Lufträume; auf der „UK-Seite“ hingegen, wo man bei kleineren Regionalflughäfen ja bisher gerne darauf verzichtet, eben nicht (dort nur die ATZ).
Avgas und Jet-A1 sind vorhanden und kommen mit einem Bowser zur Parkposition. Das ist entweder auf dem „Main Apron“ oder auf dem etwas weiter entfernten „West Apron“. Aber auch von der wird man vom Vorfelddienst zum Terminal gefahren. Genau gesagt wird man an einem Tor im Zaun neben dem Terminal rausgelassen. Im Terminal selbst gibt es einen Infoschalter; dort bezahlt man auch die Lande- und Parkgebühren sowie den Sprit.
Es gibt einen (eher seltenen) Bus in die City, aber auch ein Taxi ist nicht teuer. Die Stadt Derry / Londonderry war ein zentraler Ort des Nordirlandkonflikts; hier fand 1972 der auch von U2 besungene „Bloody Sunday“ statt. Heutzutage aber ist auch Derry / Londonderry mittlerweile unproblematisch hinsichtlich eines Besuchs. Eine nette Stadt. Die Stadtmauer zu besichtigen ist recht interessant. Auch die vielen Wandmalereien im Viertel Bogside sind sehenswert. Ich empfehle, eine geführte „Walking Tour“ mitzumachen.
Außerdem ist EGAE der nächste größere Platz (wenn auch immer noch eine gute knappe Dreiviertelstunde mit dem Auto entfernt) von der Sehenswürdigkeit „Giant’s Causeway“ (UNESCO-Weltkulturerbe); es gibt ab der City auch Bustouren dorthin. Die aus Game of Thrones bekannte märchenhafte Buchenallee „The Dark Hedge“ befindet sich ca. 10 Kilometer südlich des Giant’s Causeway.
Weitere Städte / Flugplätze
Enniskillen-St. Angelo (EGAB) ist neben Newtownards einer der wesentlichen GA-Plätze in Nordirland und liegt ganz im Südwesten des Landes, nah an der Grenze zur Republik Irland. Er liegt landschaftlich sehr schön am Ende eines großen Sees. Avgas 100LL ist vorhanden, auch hier aber leider teuer. Die Landegebühr bis 1,5 Tonnen beträgt 25 Pfund, Parken über Nacht kostet nochmal dasselbe, was in Summe etwas viel ist. Über 1,5 Tonnen ist es noch mal mehr. Dennoch: freundliche Leute und eine landschaftlich sehr schöne Gegend. Es gibt ein kleines Cafe/Diner am Platz. Ein Taxi in das Städtchen (02866328484, am besten vorbestellen) kostet ca. 13 Pfund. Der Platz ist auch für internationale Flüge zugelassen (vor allem im Zusammenhang mit der nahen Republik Irland hilfreich).
Bellarena ist vorwiegend ein Segelflugplatz („Ulster Gliding Centre“) in der Nähe von Londonderry, direkt am Wasser gelegen. Die Piste ist knapp über 500 Meter Gras und sehr breit (es handelt sich praktisch um ein offenes Feld). Wem die Piste ausreicht, der sollte unbedingt mal vorbeischauen. Motorflieger und ULs sind willkommen, allerdings wohl vorwiegend nur samstags und sonntags.
Causeway liegt im Norden Nordirlands, nahe dem Städtchen Ballymoney. Die (längere) Piste ist 690 Meter Gras und ist schön an einer Flussbiegung gelegen. Hier gibt es bei Bedarf sogar etwas Avgas. Dieser ist auch der dem berühmten Giant’s Causeway am nächsten gelegene Flugplatz; er ist aber immer noch gute 25 Kilometer entfernt! Die aus Game of Thrones bekannte märchenhafte Buchenallee „The Dark Hedges“ ist ca. 18 Kilometer vom Platz entfernt. Auch ein Wasserflugzeug ist hier zu Hause.
Kilkeel liegt ganz im Südosten Nordirlands, direkt an der Grenze zu Irland und direkt am Meer. Die Graspiste (manchmal auch unter dem Namen Derryogue zu finden) ist zwar schmal, aber 760 Meter lang. Es gibt auch Avgas. Es sind drei Kilometer in das gleichnamige Fischereistädtchen und an den dortigen Strand. Dies ist ein unter Piloten sehr beliebter Platz. Er ist wohl – entgegen der offiziellen Liste – auch für internationale Flüge zugelassen (vor allem im Zusammenhang mit der nahen Republik Irland hilfreich).
Ebenfalls im Norden Nordirlands liegt der Flugplatz Movenis mit einer Asphaltpiste von 470 Metern. Hier findet vorwiegend Fallschirmsprung statt. Im Clubhaus kann man am Wochenende etwas zu essen bekommen.


