Flugdurchführung/Chartern
Chartern in UK

Viele mögen vielleicht den Wunsch haben, nicht unbedingt von Deutschland bis nach UK oder Irland zu fliegen, sondern vielmehr vor Ort, z.B. im Rahmen eines Urlaubs oder einer Geschäftsreise einen Rundflug zu machen oder für einen Tagesausflug, z.B. zur Isle of Wight, ein Flugzeug zu chartern.

Lizenztechnisch ist dies wohl auch nach dem finalen Brexit und dem Austritt UKS aus der EASA (also Ende 2020) weiterhin kein Problem, denn PPLs und LAPLs nach EASA Part-FCL werden wohl auch für das Führen von britisch und irisch registrierten Luftfahrzeugen innerhalb der entsprechende Lufträume anerkannt. .Hingegen ist das Chartern eines ULs bzw. "Microlights" in UK bzw. Irland mangels automatischer Anerkennung des z.B. deutschen UL-Scheins leider kaum möglich.

Glücklicherweise gibt es in UK (für die "E-Klasse") zahlreiche kommerzielle Flugschulen und Vercharterer, genau wie z.B. in Deutschland. Darüber hinaus gibt es aber auch viele Flying Clubs, die überwiegend recht unbürokratisch und günstig Kurzmitgliedschaften anbieten oder extra eine Preisliste für Nicht-Mitglieder haben. Das ist also alles deutlich einfacher als bei Fliegerclubs in z.B. Deutschland, Frankreich oder Italien - man kann einfach anrufen und kurz danach (mit Lehrer) sofort losfliegen. Diese "Flying Clubs" in UK sind eigentlich kaum mit den typischen deutschen "Vereinen" vergleichbar; es sind eher kleine kommerzielle Unternehmen, die aber trotzdem den Namen "Club" tragen. Die Flugstundenpreise liegen meist mehr oder weniger auf deutschem Niveau. Übrigens: Das Chartern von Flugzeugen wird in UK und Irland als "self fly hire" bezeichnet, keinesfalls als "charter".

Insbesondere verbreitet sind in UK die verschiedensten Varianten der Piper PA28 (mehr noch als die C172), sowie die C152. Zunehmend verbreiten sich aber auch moderne leichte Zweisitzer mit Rotax-Motor wie z.B. die Tecnam "Sierra" oder die Aero AT-3. Darüber hinaus gibt es aber auch oft bei uns als recht exotisch geltende britische Baumuster, wie z.B. die Beagle Pup, die DHC-1 "Chipmunk" oder gar die DH.71 "Tiger Moth".

Für das Chartern eines Standardflugzeugs wie einer Piper Warrior muss man in der Regel einen normalen Checkout-Flug mit etwas Airwork und ein paar Landungen machen, sowie möglicherweise ein bisschen "Groundschool" bezüglich Luftraumstruktur, "britischer" und lokaler Prozeduren, etc. Und außerdem natürlich diese Website studieren...;-)

Die beste Informationsquelle hinsichtlich möglicher Anbieter ist natürlich das Internet, da mittlerweile praktisch jede Schule / jeder Aeroclub über eine eigene Website verfügt.

Leider schließen einige Flugschulen und Clubs bei der Vercharterung das Landen auf "unlicensed airfields" aus. Das ist sehr ärgerlich, da man bei den lizensierten Plätzen doch zahlenmäßig ziemlich eingeschränkt wird und diese meist außerdem fliegerisch eher "langweilige" Plätze (und auch eher teuer) sind.

Ein weiterer Punkt ist, dass Charterflugzeuge in UK meist (mehr noch als in Deutschland) sehr viel auch in der Schulung eingesetzt werden bzw. die Charterung generell nur in 3-Stunden-Blöcken üblich ist. Es ist also sehr schwer, dort ein Flugzeug zu bekommen, um damit einen, zwei oder mehr ganze Tage am Stück seinen Spaß zu haben.

Zwar sind N-registrierte Flugzeuge (die nach wie vor auch in UK mit nur einer FAA-Lizenz geflogen werden dürfen) in UK insgesamt recht verbreitet; diese befinden sich allerdings fast immer in rein privater Hand und sind somit nicht zu chartern. Ein Ausnahme findet man allerdings hier (Gültigkeit prüfen).

Wenn man sich den Aufwand eines kompletten Checkouts ersparen möchte, ist eine Alternative natürlich die, mit einem Fluglehrer des Clubs zu fliegen und somit rechtlich gar nicht als PIC tätig zu werden. Es ist in diesem Fall im Vorwege am besten telefonisch zu klären, ob man in diesem Falle nur als rechts sitzender Passagier mitfliegen kann (das wäre dann praktisch ein "Rundflug") oder ob man auch links sitzen und das Flugzeug effektiv führen kann, d.h. der Fluglehrer effektiv nur als "Safety Pilot" agiert. Dies ist insbesondere sinnvoll, wenn man einmal einen exotischen britischen Flieger fliegen möchte, wie z.b. eine Chipmunk oder eine Tiger Moth, wo ein vollständiger Checkout natürlich etwas aufwändiger wäre. Diese Muster sind wie gesagt noch heute recht weit verbreitet in UK, und zwar auch als Schul- bzw. Clubflugzeug.


© Philipp Tiemann
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